Wir alle kennen diesen Satz.
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.
Ich habe ihn schon unzählige Male gehört.
Auf Postkarten.
In Büchern.
Auf Instagram.
Irgendwo zwischen Motivation, Selbstverwirklichung und dem Versprechen, dass da draußen ein besseres Leben auf uns wartet.
Aber in letzter Zeit frage ich mich:
Was bedeutet es eigentlich, seinen Traum zu leben?
Bedeutet es, erfolgreich zu sein?
Viel Geld zu verdienen?
Die Welt zu bereisen?
Ein großes Haus zu besitzen?
Seine Ziele zu erreichen?
Frei zu sein?
Vielleicht.
Aber ich glaube mittlerweile, dass wir etwas Entscheidendes übersehen haben.
Denn während wir alle versuchen, irgendwann unser Traumleben zu erreichen, vergessen wir, dass unser Leben längst stattfindet.
Hier.
Jetzt.
In diesem Moment.
Ich lebe mein Traumleben
Was bedeutet es für mich, mein Traumleben zu leben?
Es bedeutet, an der Dreisam zu baden.
Es bedeutet, Menschen Hallo zu sagen.
Meine Neffen und Nichten zu sehen.
Meine Eltern zu umarmen.
Meine Freundin zu sehen.
Das Leben fließen zu sehen.
Mit Obdachlosen zu reden.
Menschen zu begegnen.
Zu lachen.
Zu weinen.
Zu fühlen.
Da zu sein.
Und wisst ihr, was das Verrückte daran ist?
Das alles passiert bereits.
Nicht morgen.
Nicht, wenn ich genug Geld verdient habe.
Nicht, wenn meine Projekte erfolgreich sind.
Nicht, wenn meine Bücher von Tausenden Menschen gelesen werden.
Nicht, wenn ich vollkommen geheilt bin.
Nicht, wenn ich endlich der Mensch geworden bin, von dem ich glaube, dass ich ihn erst noch werden müsste.
Sondern jetzt.
Mein Traumleben findet längst statt.
Und vielleicht habe ich es viel zu lange nicht gesehen.
Wir warten auf das Leben
Ich glaube, wir Menschen verbringen unglaublich viel Zeit damit, auf unser Leben zu warten.
Wenn ich erst diesen Job habe.
Wenn ich erst genug Geld verdiene.
Wenn ich endlich den richtigen Menschen gefunden habe.
Wenn ich geheilt bin.
Wenn meine Ängste verschwunden sind.
Wenn ich erfolgreich bin.
Wenn ich endlich dort angekommen bin, wo ich hinmöchte.
Dann werde ich leben.
Doch was, wenn dieses „Dann“ niemals kommt?
Oder noch viel schlimmer:
Was, wenn wir eines Tages dort ankommen und erkennen, dass wir auf dem Weg dorthin vergessen haben zu leben?
Wir rennen einer Zukunft hinterher, während das Leben direkt vor unseren Augen geschieht.
Unsere Mutter wird älter.
Unser Vater wird älter.
Unsere Neffen und Nichten wachsen auf.
Menschen kommen in unser Leben.
Menschen verlassen unser Leben.
Fremde begegnen uns.
Die Sonne geht auf.
Der Regen fällt.
Der Wind bewegt die Bäume.
Und irgendwo sitzt ein Mensch auf der Straße, an dem Hunderte vorbeilaufen, während ein einziges ehrliches Gespräch vielleicht mehr Menschlichkeit in sich trägt als all die großen Ziele, denen wir hinterherjagen.
Das Leben ist nicht das Ziel
Ich habe große Träume.
Verdammt große sogar.
Ich möchte schreiben.
Menschen berühren.
Etwas verändern.
Ich möchte Projekte erschaffen.
Menschen verbinden.
Heilung ermöglichen.
Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, diese Welt ein kleines bisschen liebevoller zu machen.
Und ich werde nicht aufhören zu träumen.
Aber ich möchte nicht mehr den Fehler machen, zu glauben, dass mein Leben erst beginnt, wenn diese Träume Wirklichkeit geworden sind.
Denn vielleicht ist das Leben kein Ziel.
Vielleicht ist es ein Fluss.
Und wir verbringen unsere Zeit damit, einen Staudamm nach dem anderen zu bauen.
Wir wollen kontrollieren.
Festhalten.
Planen.
Wissen, wohin die Reise geht.
Doch das Leben fließt.
Es fragt uns nicht, ob wir bereit sind.
Es wartet nicht darauf, dass wir vollkommen sind.
Es geschieht.
Jetzt.
Vielleicht habe ich meinen Traum längst erreicht
Vielleicht ist mein Traum gar nicht dieser eine große Moment.
Vielleicht ist mein Traum eine Ansammlung unendlich vieler kleiner Momente.
Eine Umarmung meiner Eltern.
Das Lachen meiner Neffen und Nichten.
Der Blick meiner Freundin.
Ein ehrliches Gespräch mit einem Menschen, den die Gesellschaft längst übersehen hat.
Ein Hallo zu einem Fremden.
Das Gefühl von Wasser auf meiner Haut.
Ein Moment, in dem ich einfach dasitze und dem Leben dabei zusehe, wie es geschieht.
Vielleicht ist das Reichtum.
Vielleicht ist das Freiheit.
Vielleicht ist das Erfolg.
Vielleicht ist das Leben.
Und vielleicht liegt die größte Tragik unserer Zeit darin, dass wir all das besitzen können und uns trotzdem arm fühlen, weil wir gelernt haben, immer nach dem Nächsten zu suchen.
Mehr.
Weiter.
Höher.
Schneller.
Irgendwann.
Aber das Leben kennt kein Irgendwann.
Das Leben kennt nur diesen Moment.
Ich möchte nicht mehr auf mein Leben warten
Ich möchte träumen.
Ich möchte Visionen haben.
Ich möchte Dinge erschaffen, die heute vielleicht noch unmöglich erscheinen.
Ich möchte wachsen.
Lernen.
Heilen.
Scheitern.
Wieder aufstehen.
Aber ich möchte dabei eines nicht mehr vergessen:
zu leben.
Ich möchte meine Eltern umarmen, solange ich sie umarmen kann.
Ich möchte meinen Neffen und Nichten beim Aufwachsen zusehen.
Ich möchte meiner Freundin in die Augen schauen und wirklich da sein.
Ich möchte mit Menschen reden, unabhängig davon, welchen gesellschaftlichen Status sie haben.
Ich möchte Fremden Hallo sagen.
Ich möchte lachen.
Ich möchte weinen.
Ich möchte fühlen.
Ich möchte dem Leben dabei zusehen, wie es fließt.
Und vielleicht ist genau das mein Traum.
Kein perfektes Leben.
Kein Leben ohne Schmerz.
Kein Leben ohne Herausforderungen.
Kein Leben, in dem ich irgendwann endlich angekommen bin.
Sondern ein Leben, in dem ich anwesend bin.
Träume nicht dein Leben
Vielleicht bedeutet dieser Satz etwas ganz anderes, als ich lange dachte.
Vielleicht bedeutet „Lebe deinen Traum“ nicht:
Erschaffe dir irgendwann das perfekte Leben.
Vielleicht bedeutet es:
Öffne deine Augen für das Leben, das bereits da ist.
Schau deine Mitmenschen an.
Umarme die Menschen, die du liebst.
Sprich mit denen, an denen andere vorbeigehen.
Spüre das Wasser.
Höre den Wind.
Lache.
Weine.
Liebe.
Fühle.
Sei da.
Denn während du noch davon träumst, eines Tages zu leben, fließt das Leben längst an dir vorbei.
Ich weiß nicht, was morgen kommt.
Ich weiß nicht, wohin mich mein Weg noch führen wird.
Ich weiß nicht, welche meiner großen Träume Wirklichkeit werden.
Aber ich weiß eines:
Ich bin hier.
Ich bin am Leben.
Und vielleicht ist das viel mehr, als ich viel zu lange erkennen konnte.
Also ja:
Träume groß.
Erschaffe.
Wachse.
Verändere die Welt.
Aber vergiss dabei nicht, deine Eltern zu umarmen.
Vergiss nicht, mit deinen Neffen und Nichten zu lachen.
Vergiss nicht, deiner Freundin in die Augen zu schauen.
Vergiss nicht, einem Fremden Hallo zu sagen.
Vergiss nicht, mit einem Menschen auf der Straße zu sprechen.
Vergiss nicht, ins Wasser zu springen.
Vergiss nicht, dem Leben beim Fließen zuzusehen.
Denn vielleicht musst du deinen Traum gar nicht erst finden.
Vielleicht bist du längst mittendrin.
Träume nicht dein Leben.
Lebe deinen Traum.
Jetzt !
peace and love
josef pax
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