Ich bin kein Christ.
Dieser Satz überrascht viele Menschen.
I know
Vor allem, wenn sie meine Texte lesen. Wenn sie sehen, dass ich über Jesus schreibe. Dass ich bete. Dass ich von Gott spreche. Dass ich versuche, mein Leben nach seinen Worten auszurichten.
Dann kommt oft die Frage:
„Aber... bist du dann nicht Christ?“
Meine Antwort lautet:
Nein.
Ich bin kein Christ.
Ich bin ein Mensch, der versucht, Jesus nachzufolgen.
Für viele mag das dasselbe sein. Für mich ist es ein gewaltiger Unterschied.
Denn ein Christ zu sein, beschreibt für viele eine Zugehörigkeit.
Eine Religion.
Eine Konfession.
Eine Institution.
Eine Identität.
Jesus nachzufolgen beschreibt dagegen einen Weg.
Und Wege kann man nicht besitzen.
Man kann sie nur gehen.
Vor einigen Jahren hätte ich diesen Text niemals geschrieben.
Damals war ich auf der Suche.
Ich suchte nach Wahrheit.
Nach Heilung.
Nach Freiheit.
Nach mir selbst.
Ich tauchte tief in die Welt der Spiritualität ein.
Meditation.
Manifestation.
Energie.
Bewusstsein.
Selbstheilung.
Ich habe vieles gelernt.
Und ich bin dankbar für vieles, was ich dort entdecken durfte.
Denn diese Zeit hat mein Herz geöffnet.
Aber sie hat mir auch gezeigt, wie leicht der Mensch sich selbst zum Mittelpunkt seines Universums machen kann.
Immer höher.
Immer bewusster.
Immer spiritueller.
Bis man irgendwann glaubt, selbst das Licht zu sein.
Heute glaube ich etwas anderes.
Ich glaube nicht, dass ich das Licht bin.
Ich glaube, dass ich dazu berufen bin, das Licht weiterzugeben.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Ich habe Jesus nicht gefunden, weil ich Religion gesucht habe.
Ich habe ihn gefunden, weil ich am Ende meiner eigenen Kraft angekommen bin.
Dort, wo meine Konzepte nicht mehr funktionierten.
Wo mein Verstand keine Antworten mehr hatte.
Wo mein Ego zusammenbrach.
Nicht im Erfolg.
Nicht in meiner Stärke.
Sondern mitten im Schmerz.
Und genau dort begann etwas Neues.
Keine perfekte Bekehrung.
Keine übernatürliche Show.
Sondern eine stille Einladung.
„Folge mir nach.“
Nicht: Gründe eine Religion.
Nicht: Überzeuge alle Menschen.
Nicht: Sei besser als andere.
Einfach:
Folge mir.
Ich glaube, dass genau das der Kern des Evangeliums ist.
Nicht Recht zu haben.
Sondern lieben zu lernen.
Nicht andere zu richten.
Sondern sich selbst verwandeln zu lassen.
Nicht den Himmel zu verdienen.
Sondern ihn bereits heute durch unser Handeln sichtbar werden zu lassen.
Das Reich Gottes beginnt nicht irgendwann.
Es beginnt in jedem Herzen, das bereit ist zu vergeben.
In jedem Menschen, der Verantwortung übernimmt.
In jedem Augenblick, in dem Liebe stärker wird als Angst.
Ich nenne mich deshalb bewusst nicht Christ.
Nicht weil ich mich von Jesus distanzieren möchte.
Sondern weil ich mich von den Bildern lösen möchte, die viele Menschen mit diesem Wort verbinden.
Religiöser Stolz.
Dogmatismus.
Ausgrenzung.
Rechthaberei.
Ich glaube nicht, dass Jesus dafür gestorben ist.
Er kam nicht, um eine Elite zu erschaffen.
Er kam für den Menschen.
Für den Verletzten.
Für den Suchenden.
Für den Sünder.
Für den Zweifler.
Für den Verlorenen.
Und genau deshalb fühle ich mich ihm so nah.
Nicht weil ich perfekt bin.
Sondern weil ich es nicht bin.
Nachfolge bedeutet für mich nicht, alles zu wissen.
Sie bedeutet, jeden Tag neu zu lernen.
Neu zu vergeben.
Neu zu vertrauen.
Neu aufzustehen.
Neu zu lieben.
Sie bedeutet auch, Fehler zu machen.
Zu scheitern.
Zu zweifeln.
Und trotzdem weiterzugehen.
Nicht aus Angst vor Strafe.
Sondern aus Liebe.
Vielleicht brauchen wir heute weniger Christen.
Und mehr Menschen, die bereit sind, so zu leben, wie Jesus gelebt hat.
Menschen, die Frieden stiften.
Die zuhören.
Die Verantwortung übernehmen.
Die vergeben.
Die den Schwächeren aufhelfen.
Die ihren Nächsten lieben.
Die selbst dort Hoffnung säen, wo andere längst aufgegeben haben.
Vielleicht beginnt genau dort eine neue Zeit.
Nicht durch lautere Religion.
Sondern durch stillere Herzen.
Ich werde wahrscheinlich nie alles verstehen.
Und das muss ich auch nicht.
Mein Glaube lebt nicht davon, dass ich jede Antwort kenne.
Er lebt davon, dass ich jeden Tag einen kleinen Schritt in Richtung Liebe gehe.
Deshalb bin ich kein Christ.
Ich bin ein Mensch auf dem Weg.
Ein Lernender.
Ein Suchender.
Ein Bruder unter Brüdern.
Ein Lichtkrieger, der erkannt hat, dass das Licht niemals ihm gehört hat.
Es war immer Gottes.
Und vielleicht ist genau das Freiheit.
Nicht selbst das Licht sein zu müssen.
Sondern es weiterzugeben.
Wenn dieser Text dich berührt, dann wünsche ich mir nur eines:
Nenne dich nicht zuerst Christ.
Nicht Buddhist.
Nicht spirituell.
Nicht atheistisch.
Frage dich stattdessen:
Wie liebe ich heute?
Denn am Ende werden wir vermutlich nicht daran gemessen, welches Etikett wir getragen haben.
Sondern daran, wie viel Liebe wir in diese Welt gebracht haben.
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