Weiter geht die Auseinandersetzung mit Narzissmus.
Weiter geht der Weg der Heilung.
Ich heile vom Missbrauch meiner Würde.
Ich heile von den Wunden, die narzisstische Menschen in mir hinterlassen haben.
Und doch erlebe ich immer mehr, wie tiefes Mitgefühl für sie in meinem Herzen entsteht.
Alter … ist dieses Leben manchmal einsam.
Wir erleben gerade etwas Außergewöhnliches.
Es ist nicht einfach nur ein gesellschaftlicher Wandel.
Es ist ein Bewusstseinswandel.
Über Jahrzehnte wurden wir darauf konditioniert, stärker zu wirken, als wir sind.
Mehr zu leisten.
Mehr zu besitzen.
Mehr zu scheinen.
Doch hinter vielen Masken steckt etwas ganz anderes.
Angst.
Die Angst, nicht gut genug zu sein.
Nicht gesehen zu werden.
Nicht geliebt zu werden.
Narzissmus entsteht nicht aus echter Liebe zu sich selbst.
Er entsteht dort, wo ein Mensch den Kontakt zu seinem eigenen Herzen verloren hat.
Wo Verletzungen so tief sitzen, dass Kontrolle sicherer erscheint als Vertrauen.
Wo Macht leichter fällt als Mitgefühl.
Wo Bewunderung den Platz echter Nähe einnimmt.
Und genau deshalb überlebt Narzissmus nicht.
Nicht, weil narzisstische Menschen vernichtet werden müssen.
Sondern weil eine neue Zeit beginnt, in der Masken ihre Macht verlieren.
Eine Welt, die auf Kontrolle basiert, funktioniert nur so lange, wie andere bereit sind, sich kontrollieren zu lassen.
Eine Welt, die auf Manipulation aufbaut, lebt davon, dass Menschen sich selbst nicht vertrauen.
Eine Welt voller Inszenierung existiert nur so lange, bis Menschen beginnen, wahrhaftig zu werden.
Und genau das geschieht gerade.
Immer mehr Menschen wachen auf.
Sie erkennen ihre eigenen Wunden.
Sie lernen, Grenzen zu setzen.
Sie hören auf, Liebe mit Selbstaufgabe zu verwechseln.
Sie übernehmen Verantwortung für ihren Schmerz.
Nicht aus Schuld.
Sondern aus Würde.
Ich habe bereits in meinem Text Hitler ist wieder da: Er ist ein Geschenk darüber geschrieben.
Nicht, weil ich Leid verherrliche.
Nicht, weil ich Missbrauch schönreden möchte.
Sondern weil ich heute erkenne:
Manchmal begegnet uns das Dunkle nicht, um uns zu zerstören.
Sondern um uns zu zeigen, wo wir noch nicht frei sind.
Der Narzisst war für mich nicht nur Täter.
Er war auch Spiegel.
Ein brutaler Spiegel.
Ein schmerzhafter Spiegel.
Aber ein Spiegel.
Er zeigte mir, wo ich mich selbst verlassen hatte.
Wo ich gefallen wollte.
Wo ich geglaubt habe, Liebe verdienen zu müssen.
Wo ich meine Wahrheit zurückhielt, um nicht abgelehnt zu werden.
Und das tut weh.
Es tut weh, zu erkennen, dass man nicht nur Opfer war.
Sondern dass es in einem selbst eine offene Tür gab.
Eine Wunde.
Einen Hunger nach Liebe.
Einen Wunsch, gesehen zu werden.
Genau dort konnte Narzissmus eintreten.
Heute lerne ich, neu mit narzisstischen Menschen umzugehen.
Nicht mehr aus Angst.
Nicht mehr aus Hass.
Nicht mehr aus Kampf.
Sondern mit Mitgefühl.
Denn ich sehe heute klarer:
Narzisstische Menschen sind oft zutiefst verletzte Wesen.
Menschen, die irgendwann beschlossen haben, nie wieder verletzlich zu sein.
Menschen, die Kontrolle gewählt haben, weil Vertrauen zu gefährlich geworden ist.
Menschen, die Macht suchen, weil sie ihre eigene Ohnmacht nicht fühlen wollen.
Das entschuldigt nichts.
Aber es erklärt vieles.
Und es öffnet einen neuen Raum.
Einen Raum, in dem ich nicht mehr kämpfen muss.
Ich darf sanft bleiben.
Weich.
Klar.
Wahrhaftig.
Denn Sanftheit ist keine Schwäche.
Sanftheit bedeutet nicht, alles mit sich machen zu lassen.
Sanftheit bedeutet, das Herz offen zu halten, ohne sich selbst zu verlieren.
Ich kann Mitgefühl haben und trotzdem Nein sagen.
Ich kann vergeben und trotzdem Abstand halten.
Ich kann den Schmerz des anderen sehen, ohne ihn zu meinem eigenen zu machen.
Das ist der Schlüssel.
Gesunde Grenzen.
Grenzen sind keine Mauern.
Sie sind Ausdruck von Selbstachtung.
Sie schützen nicht vor Liebe.
Sie schützen die Liebe.
Denn Liebe ohne Grenzen ist keine Liebe.
Sie ist Selbstverlust.
Und genau das musste ich lernen.
Ich glaube, Narzissmus überlebt nicht mehr lange in der Form, wie wir ihn kennen.
Weil die Menschen aufwachen.
Weil Empathen lernen, sich nicht mehr ausnutzen zu lassen.
Weil Wahrheit stärker wird als Inszenierung.
Weil Verbindung stärker ist als Kontrolle.
Weil ein Mensch, der seinen eigenen Wert kennt, nicht mehr so leicht manipulierbar ist.
Narzissmus hat nur zwei Wege.
Entweder Heilung.
Oder Entmachtung.
Entweder ein Mensch entscheidet sich, seine Wunden anzuschauen.
Oder andere Menschen werden lernen, sich aus seinem Feld zu lösen.
Nicht aus Hass.
Sondern aus Klarheit.
Nicht aus Kälte.
Sondern aus Liebe zu sich selbst.
Wer heilen will, darf bleiben.
Wer weiter zerstört, wird erleben, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich zerstören zu lassen.
Das ist keine Strafe.
Das ist Konsequenz.
Das ist Bewusstsein.
Das ist die neue Zeit.
Für mich hat Jesus genau das vorgelebt.
Er liebte die Menschen.
Aber er verlor sich nicht an sie.
Er begegnete ihnen mit Mitgefühl.
Aber auch mit Wahrheit.
Seine Liebe war nicht naiv.
Sie hatte Rückgrat.
Und vielleicht ist genau das die Kraft, die wir heute brauchen.
Ein weiches Herz.
Und eine klare Grenze.
Mitgefühl.
Und Wahrheit.
Vergebung.
Und Selbstachtung.
Ich glaube nicht, dass Narzissmus durch Kampf endet.
Er endet, wenn Menschen aufhören, sich selbst zu verlassen.
Er endet, wenn wir unseren Schmerz nicht länger weitergeben, sondern verwandeln.
Er endet, wenn wir erkennen:
Ich bin nicht hier, um jemanden zu retten.
Ich bin hier, um wahr zu sein.
Vielleicht ist der Narzisst deshalb wirklich ein Geschenk.
Nicht, weil sein Verhalten gut ist.
Sondern weil er uns zeigt, wo wir noch heilen dürfen.
Wo wir noch nicht frei sind.
Wo wir noch glauben, Liebe verdienen zu müssen.
Und wenn wir dort heilen, verliert er seine Macht.
Dann bleibt nur noch der Mensch hinter der Maske.
Und dieser Mensch hat eine Wahl.
Heilung oder Isolation.
Wahrheit oder Inszenierung.
Liebe oder Kontrolle.
Die alte Welt hat Narzissmus belohnt.
Die neue Welt wird ihn entlarven.
Nicht mit Hass.
Sondern mit Bewusstsein.
Nicht mit Gewalt.
Sondern mit Grenzen.
Nicht mit Verachtung.
Sondern mit einer Liebe, die klar genug ist, sich selbst nicht mehr zu verraten.
Vielleicht überlebt Narzissmus deshalb nicht.
Weil das, was echt ist, Bestand hat.
Und alles, was nur gespielt ist, irgendwann zusammenbricht.
in Liebe und Verbundenheit
Josef Pax
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